28. Juli 2026
46 von 47 tonisch-klonischen Anfällen erkannt – mit einer handelsüblichen Smartwatch. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Phase-III-Studie zur Smartwatch-App EpiWatch, deren Ergebnisse kürzlich in Neurology Open Access veröffentlicht wurden.
Generalisierte tonisch-klonische Anfälle zählen zu den wichtigsten Risikofaktoren für den plötzlichen Epilepsietod (SUDEP). Besonders gefährdet sind Menschen, die einen Anfall unbeobachtet erleiden – etwa nachts oder wenn sie allein leben. Eine frühzeitige Anfallserkennung kann dazu beitragen, dass Angehörige oder Betreuungspersonen schneller informiert werden und rasch Hilfe leisten können.
An der multizentrischen Studie nahmen 242 Kinder, Jugendliche und Erwachsene ab fünf Jahren teil, die während eines Video-EEG-Monitorings zusätzlich eine Apple Watch mit der App EpiWatch trugen.
Insgesamt wurden 47 bestätigte tonisch-klonische Anfälle dokumentiert. Die App erkannte 46 Anfälle, was einer Sensitivität von 98 % entspricht. Der einzige nicht erkannte Anfall trat auf, während der Arm der betroffenen Person während des Anfalls festgehalten wurde.
Auch die Fehlalarmrate fiel gering aus: Während 16.189 Stunden Überwachung wurden, 56 Fehlalarme registriert – das entspricht 0,08 Fehlalarmen pro Tag.
Das Besondere an EpiWatch ist, dass die Anfallserkennung über eine handelsübliche Apple Watch erfolgt und keine spezielle medizinische Hardware erforderlich ist. Dadurch könnte die Technologie künftig einfacher und unauffälliger in den Alltag integriert werden.
Die Ergebnisse sind vielversprechend, sollten jedoch sorgfältig eingeordnet werden. Die Studie wurde unter kontrollierten Bedingungen in spezialisierten Epilepsiezentren durchgeführt und untersuchte ausschließlich generalisierte tonisch-klonische Anfälle. Ob sich die hohe Erkennungsrate auch im Alltag bestätigt, müssen weitere Studien zeigen. Die App EpiWatch ist in den USA bereits zugelassen. In Deutschland ist sie derzeit noch nicht verfügbar.
Insgesamt stellen Anfallserkennungssysteme eine vielversprechende Möglichkeit dar, tonisch-klonische Anfälle frühzeitig zu erkennen und Angehörige oder Betreuungspersonen zu alarmieren, sodass rasch Hilfe geleistet werden kann. Insbesondere bei nächtlichen oder unbeobachteten Anfällen kann dadurch eine zeitnahe Überprüfung von Atmung und Bewusstseinszustand sowie – falls erforderlich – die frühzeitige Einleitung von Wiederbelebungsmaßnahmen ermöglicht werden. Die International League Against Epilepsy (ILAE) und die International Federation of Clinical Neurophysiology (IFCN) bewerten Geräte zur Erkennung tonisch-klonischer Anfälle als sinnvolle Option, insbesondere dann, wenn durch die Alarmierung eine unmittelbare Reaktion erfolgen kann.
Quellen: Abstract der Studie https://www.neurology.org/doi/10.1212/WN9.0000000000000111
Registrierung der Studie https://clinicaltrials.gov/study/NCT05059002
Pressemitteilung der American Academy of Neurologyhttps://www.aan.com/PressRoom/Home/PressRelease/5342